Deutschland prüft den Glücksspielstaatsvertrag GlüStV 2021 bis Ende 2026
Gisela Krause · Aug 17, 2026

Deutschland prüft den Glücksspielstaatsvertrag GlüStV 2021 bis Ende 2026

Seit dem 1. Juli 2021 ist der Glücksspielstaatsvertrag GlüStV 2021 in Kraft und regelt das Online-Glücksspiel in allen Bundesländern einheitlich. Die vorgeschriebene Evaluierung muss vor dem 31. Dezember 2026 abgeschlossen sein, wobei die technischen Aspekte von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder GGL und den 16 Bundesländern gemeinsam bearbeitet werden. Die Prüfung konzentriert sich auf die Auswirkungen strikter Vorgaben wie dem Einsatzlimit von einem Euro pro Spin an Automatenspielen, der fünfsekündigen Verzögerung zwischen Spielen sowie der monatlichen Einzahlungsobergrenze von 1000 Euro.
Hintergründe der laufenden Bewertung
Die Bundesländer haben die Evaluierung bereits initiiert, da Daten zur Kanalisierung von Spielern in den regulierten Markt Hinweise auf Schwächen durch die bestehenden Limits liefern. Beobachter berichten, dass die Kombination aus niedrigen Einsatzgrenzen und zeitlichen Verzögerungen die Attraktivität lizenzierter Angebote gegenüber nicht regulierten Plattformen verringert. Die GGL koordiniert die technischen Analysen, während die Länder politische und rechtliche Rahmenbedingungen prüfen. Im August 2026 stehen weitere Abstimmungsrunden an, um Zwischenergebnisse der Datenerhebung zu konsolidieren.
Regulatorische Vorgaben im Fokus
Der GlüStV 2021 schreibt unter anderem das Ein-Euro-Limit pro Spin, eine obligatorische fünfsekündige Pause sowie die monatliche Einzahlungsgrenze von 1000 Euro vor. Diese Maßnahmen sollten Spielerschutz stärken, doch aktuelle Auswertungen zeigen, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit regulierter Anbieter beeinträchtigen. Statistiken der GGL belegen, dass ein signifikanter Anteil potenzieller Nutzer auf unregulierte Angebote ausweicht, weil dort höhere Einsätze und schnellere Spielabläufe möglich sind. Die Evaluierung untersucht daher, inwieweit Anpassungen der Limits die Kanalisierungsquote verbessern könnten, ohne den Schutzgedanken aufzugeben.

Experten der beteiligten Behörden sammeln Daten zu Spielerverhalten, Umsatzentwicklungen und Lizenzanträgen. Die Analyse umfasst auch internationale Vergleiche mit anderen EU-Staaten, in denen flexiblere Regelungen gelten. Forscher der GGL haben bereits erste Modelle erstellt, die zeigen, wie sich eine moderate Anhebung des Spin-Limits auf die Kanalisierung auswirken könnte. Gleichzeitig prüfen die Länder juristische Optionen, um illegale Anbieter effektiver einzudämmen und die Attraktivität des regulierten Marktes zu erhöhen.
Rolle der GGL und der Bundesländer
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder übernimmt die technische Federführung bei der Datenerhebung und Modellierung, während die 16 Bundesländer die politische Abstimmung koordinieren. Gemeinsame Arbeitsgruppen treffen sich regelmäßig, um Fortschritte zu dokumentieren und offene Fragen zu klären. Die Ergebnisse fließen in einen Gesamtbericht ein, der der Ministerpräsidentenkonferenz bis Ende 2026 vorgelegt werden muss. Dieser Bericht soll konkrete Empfehlungen für mögliche Änderungen am GlüStV 2021 enthalten.
Ausblick auf die nächsten Schritte
Bis zum Abschluss der Evaluierung werden weitere Datenerhebungen und Stakeholder-Befragungen durchgeführt. Die GGL plant, im Herbst 2026 aktualisierte Kanalisierungsquoten zu veröffentlichen, die als Grundlage für politische Entscheidungen dienen. Die Bundesländer behalten sich vor, auf Basis der technischen Erkenntnisse Nachjustierungen bei den Limits oder Verfahrensregeln vorzunehmen. Alle Beteiligten arbeiten daran, einen ausgewogenen Rahmen zu schaffen, der sowohl Spielerschutz als auch Marktfunktionalität gewährleistet.
Zusammenfassung der Entwicklungen
Die formale Evaluierung des GlüStV 2021 läuft planmäßig und wird bis Ende 2026 abgeschlossen. Die GGL und die Bundesländer analysieren die Auswirkungen der bestehenden Vorgaben auf die Kanalisierung und die Wettbewerbsfähigkeit des regulierten Marktes. Die Ergebnisse sollen fundierte Anpassungsvorschläge liefern, die auf erhobenen Daten und technischen Bewertungen basieren. Weitere Informationen finden sich im Evaluation report on the Interstate Treaty on Gambling (GlüStV 2021).